Nicolas Lindt

Schriftsteller & Ritualgestalter

«Ich schreibe Bücher, erzähle Geschichten und gestalte Rituale im Namen der Liebe.»

Wald, 17. August 2022   |   Die Luftpost Ihre Rückmeldungen
Wald, 17.08.2022   |   Die Luftpost Ihre Rückmeldungen

Was Sie mir schreiben

18.7.22
"Ich war ständig auf der Hut mit dem, was ich sagte"


Lieber Nicolas
Es ist schön, dass du jedesmal genau das aussprichst oder schreibst, was auch in mir vorgeht, wir scheinen da total gleichgeschaltet zu sein. Betreffend Spaltung/Trennung gehe ich mit dir einig. Zuerst ging meine 10jährige Beziehung zu meinem Partner sozusagen mit Corona zu Ende. Dann „verlor“ ich meine Cousine, weil ich mich erdreistet hatte, ihrer 84jährigen Mutter - meiner Tante - telefonisch den Rat zu geben, selber zu bestimmen, was mit ihrem Körper geschieht, weil sie keine Lust auf die Schlumpfung hatte. Seither spricht meine Cousine nicht mehr mit mir. Sie ist wütend auf mich.

Der zweite „Fall“ ist eine langjährige Freundin, 3fach studiert, die im August 2020 nicht verstehen konnte, weshalb ich nicht solidarisch war und keine Maske tragen wollte. Deshalb herrschte ein gutes Jahr Funkstille zwischen uns. Jetzt hat sie sich wieder gemeldet und gefragt, ob wir zusammen wandern gehen wollen, was wir taten. Aber ich war ständig auf der Hut mit meinen Aussagen, wollte auf keine Fall auf das Thema Corona zu sprechen kommen. Sie selber hatte den Booster herbeigesehnt. Gerade war sie von Corona genesen und froh, dass sie es gut überstanden hatte - Spritze sei dank! Und plötzlich, wie aus dem Nichts, stellte sie mir die Frage, ob ich eigentlich auch glaube, dass das mit Trump und Biden ein Wahlbetrug gewesen sei. Als ich mit ja antwortete, war sie völlig perplex, konnte nicht glauben, was ich gesagt hatte, war richtiggehend schockiert. Ja ob ich denn keine Mainstreammedien mehr lese oder SRF schaue, wollte sie wissen. Ich verneinte.

Sie versuchte dann, mich „aufzuklären", aber ich hatte gar keine Lust auf eine solche Diskussion. Wir waren in der schönsten Natur, das passte überhaupt nicht, aber auch wenn wir sonstwo gewesen wären, hätte ich keine Lust darauf gehabt. Ich versuchte, hin und wieder ein Wort einzubringen, aber das kam gar nicht bei ihr an. Sie stellte fest, dass wir ja dann gar keinen gemeinsamen Nenner mehr hätten. Wir wanderten zurück und machten nur noch small talk. Ich fand es irgendwie traurig, denn wir waren Freundinnen gewesen während der letzten über 40 Jahre. Mit Betonung auf „gewesen“.

Ich bin aber froh und dankbar, dass ich in den letzten zwei Jahren neue Freundinnen gefunden habe, die auf „meiner“ Seite sind. Und dass ich all die vielen tollen Menschen wie dich kennenlernen durfte, wenn auch nur virtuell. Sie geben mir den Halt und die Kraft, weiterzumachen und weiterzuleben auf meiner Schiene.

Ganz herzlichen Dank für deine Arbeit, lieber Nicolas. Ich weiss, ich muss dich nicht dazu ermuntern, so weiterzumachen, du wirst es sowieso tun.
Maya aus der Ostschweiz 
 

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29.6.22
"Mich stört es, dass Sie vom Feindesland reden"


Guten Tag Nicolas Lindt

Ich habe heute Morgen auf Transition TV Ihren Beitrag «Von der Spaltung zur Trennung» gehört.

Es geht mir ähnlich wie Ihnen, ich erlebe die sogenannte Spaltung innerhalb meiner Herkunftsfamilie, am Arbeitsplatz und in der Gesellschaft. Auch ich bin vorsichtig geworden, was ich sage oder nicht sage oder frage. Es ist etwas sehr Eigenartiges geschehen mit uns. Es dünkt mich auch, dass die beiden Welten unvereinbar geworden sind.

Dennoch stört es mich, dass Sie vom ‚Feindesland‘ reden. Machen wir mit dieser Denkweise nicht genau das gleiche wie die „andern“? Wir urteilen und verurteilen, stellen genau so zwei Lager her.

Sie sprechen also mit „den andern“ nur noch über die Dinge, die wir mit ihnen gemeinsam haben. Das kann sehr oberflächlich werden, habe ich gemerkt. Oder eben - man geht sich aus dem Weg.

Und dennoch trägt es nicht zur Lösung der jetzigen Situation bei. „Segne Deine Feinde“ heisst es in der Bibel. Ich bin nicht wirklich fromm, aber dieser Satz kommt mir in den Sinn. Es gibt ein tolles Büchlein, von Pierre Pradervand - vielleicht kennen Sie es: Segnen heilt. Ich habe diesen Ansatz als wirklich hilfreich erlebt! Das könnte ein Weg sein im Umgang mit Andersdenkenden. Machen wir es anders!

PS: mit dem „Mainstream“ Journalismus geht es mir wie Ihnen. Je weniger, desto besser!

Susanna aus Chur

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Mai 2022
Auch ich bin ein Ja-Aber-Mensch

Deine Luftpost hat wieder mal richtig eingeschlagen ... Deine Worte haben mich sehr gefreut und sind gewiss für viele Leser ebenfalls sehr wohltuend!
Das klassische LINKS-RECHTS-Spektrum ist längst in Auflösung ... und mich verbindet mit vielen Menschen quer durch die Gesellschaft, die allenfalls auch als Paradiesvögel bezeichnet werden können (zu denen ich inzwischen ja auch wohl gehöre), heute viel mehr als mit der Mehrheit der früher politisch ähnlich positionierten Freunde, Kollegen, Berufsfachleuten etc.
Auch ich bin ein JA-Aber-Mensch ... man muss stets ergebnis- und kritikoffen bleiben und sich ständig in Frage stellen lassen - so hab ich es bei Schönwetterstimmung in der Ausbildung und Wissenschaft gelernt und auch bei Schlechtwetterstimmung bislang voll durchgezogen ... zwar mit beträchtlichen Nachteilen. Dies hat mich wohl auf diesen totalen Dammbruch vor zwei Jahren - Corona - irgendwie vorbereitet. Man soll sich selber treu bleiben…
Ein Leser aus Uster


Zuschriften nach der Luftpost März/April

Lieber Nicolas, herzlichen Dank für Deine Luftpost, welche mich so sehr in meinem einsamen Fühlen unterstützt.  Einsam, weil die Menschen rund um mich anders denken und sich dessen was abläuft, nicht bewusst sind. Eben, weil wohl die Verbindung zum Herzen fehlt oder unterbrochen ist.
Ja, wir sind als Menschenfamilie miteinander verbunden und tragen gemeinsam die Verantwortung füreinander, wie auch für die Erde, die Tiere, die Pflanzen und allen Lebewesen. Es gibt nichts, was nicht in unserer Verantwortung steht.
Krieg ist und war seit jeher immer Aggression, welche zur Gegenaggression herausfordert und unsagbares Leiden schafft. Und es scheint, als ob wir aus all dem Elend nichts gelernt haben.
 
Trotzdem glaube ich zu spüren, dass es eine nicht unübersehbare Anzahl von Menschen gibt, welche dieses Spiel der Machtgierigen hinterfragen, ja durchschauen und nicht mehr bereit sind sich zu beugen. Dies schenkt mit sehr viel Hoffnung und die tägliche Kraft meinen eigenen Weg des Herzens zu gehen.
Eine Leserin aus dem Zürcher Oberland


«Mein erster Gedanke beim Öffnen Ihres Luftpost-Mails war: es mag ja schon gut gemeint sein, aber all das Geschriebene - und so wollte ich Ihre Luftpost beinahe schon abbestellen.» Er habe dann doch zu lesen begonnen, schreibt mir ein Leser aus Küsnacht weiter, und er habe zu seiner Freude entdeckt: «Da gibt’s also einen, in den Hügeln des schönen Oberlandes – dem Land meiner Vorfahren –, der ist so richtig erfrischend aufmüpfig, wie es sich für einen Schweizer gehört. Diese Feststellung zeigt mir, dass die Spezies der rebellischen, weil selbstdenkenden Schweizer noch nicht gar ausgestorben ist. Es ist zu hoffen, dass diese Rasse wieder die Oberhand gewinnt gegen all die oberflächlichen, wohlstandsverwahrlosten Attitüden der Politik und Medien.
Kurz: Ich werde mich weiterhin an Ihren Gedanken erfreuen.»
Ein Leser aus Küsnacht


danke für dein mail mit der neusten Luftpost. das mit der Neutralität sehe ich genauso wie du und bin enttäuscht, hat der bundesrat klein beigegeben und sich auf eine Seite gestellt. ich nehme an, du kennst auch Daniele Ganser, mit der Menschheitsfamilie? auch in meiner arbeit als oberstufenlehrerin, mit den kosovojugendlichen, die schnell streit hatten und schnell beleidigt waren, versuchte ich diesen Ansatz. ich denke, dazu sind sie in die schweiz gekommen…
Eine Leserin aus Wetzikon

Hallo Nicolas, endlich mal wieder jemand, der diesen Ukraine-Konflikt kritisch sieht und alle Seiten betrachtet. Hier in Deutschland gehen sie haufenweise auf die Straße, schön begleitet und angeleitet von den Hofmedien. Gegen die Coronaverbrechen im eigenen Land sind sie nicht im Stande sich aufzulehnen, aber für ein unbekanntes Volk, das 2000 km entfernt ist und deren Geschichte sie überhaupt nicht kennen und wenn, dann nur verdreht und verzerrt, da werden die Mediengesteuerten aktiv und erheben ihre Stimmen. Schon ziemlich krank ist das, finde ich.»
Ein Leser aus dem deutschen Wesertal

«Es ist wohltuend, dass es Menschen gibt (insbesondere Nicht-Juristen!), die den Wert der Neutralität zu schätzen wissen - viele Verfassungsexperten haben vergessen, was in Art. 173 Abs. 1 lit. a und Art. 185 Abs. 1 lit. a BV steht und zu den ureigensten Aufgaben von Regierung und Parlament gehören - diese Menschen haben einen Eid auf die Verfassung abgelegt! Und was hören wir da medial von diesen Vertretern seit einigen Wochen ??? 
Danke für Ihren Mut ... es geht einigen in meinem privaten Umfeld genauso wie Ihnen. Es fühlt sich an, wie die Fortsetzung des Corona-Narrativs ... schwarz-weiss, gut-böse... überhaupt nicht das, was ich unter offenem Diskurs verstehe. Ein Zitat eines Auschwitzüberlebenden vor Jahren gelesen in der Sonntagszeitung, einer der Zuflucht in der Schweiz fand, kommt mir da in den Sinn: "Die Schweiz soll unbedingt so langweilig bleiben wie sie ist, denn diese Langweile hat Langsamkeit, Beständigkeit und viel Frieden dem Schweizer Volk beschert!" ... Ihre Gedanken zur Neutralität passen hierzu blendend. Es braucht Mut, nicht einseitig Position zu beziehen, parteiisch zu werden, sondern hinter die Fassade zu sehen und kritisch zu hinterfragen.

In diesem Sinne danke für Ihre mutigen Gedanken und machen Sie weiter so und stecken Sie noch viele Menschen wie im Treppenhaus im Migros Ilanz mit diesem Spirit an!»
Ein Leser aus Uster


Lieber Nicolas
Ganz lieben Dank für Deine Sprachnachricht, über die ich mich sehr gefreut habe. Den idyllisch ruhigen "Tatort", den Du mit Deinem ungarischen Freund damals aufgesucht hast ("Ustermer/Werriker Ried"), ist mir bestens bekannt. Als Kind bin ich am Ustermer Stadtrand (Richtung Gutenswil/Werrikon) unmittelbar dort aufgewachsen - für uns Kinder war das ein wahres Paradies zum Spielen und für abenteuerliche Entdeckungen.
Beim Hören Deiner Sprachnachricht und den Themen unserer "verwirrten bzw. verirrten" Zeit bin ich an eine erstaunliche Textpassage erinnert worden, über die ich kürzlich gestolpert bin. Dietrich Bonhoeffer, Theologe/Pfarrer und wahrer Widerstandskämpfer gegen das Böse des Nationalsozialismus, hat seinen ultimativen Glaubenstest im wahren, rauen Leben bestehen müssen und hat den ganzen Preis bezahlt. Er hat sich im Angesichts des wahrlich Bösen ihm mit Taten entgegengestellt. Dass er aber zur Erkenntnis kam, dass wir uns vor der Dummheit noch mehr in Acht nehmen sollten als vor dem offensichtlich Bösen, war mir bislang verborgen geblieben. Ich wollte Dir das auf keinen Fall vorenthalten, weil es aktueller denn je ist.
Ein Leser aus Uster


Dietrich Bonhoeffer
Von der Dummheit   

Dummheit ist ein gefährlicherer Feind des Guten als Bosheit. Gegen das Böse lässt sich protestieren, es lässt sich bloßstellen, es lässt sich notfalls mit Gewalt verhindern, das Böse trägt immer den Keim der Selbstzersetzung in sich, indem es mindestens ein Unbehagen im Menschen zurücklässt. Gegen die Dummheit sind wir wehrlos. Weder mit Protesten noch durch Gewalt lässt sich hier etwas ausrichten; Gründe verfangen nicht; Tatsachen, die dem eigenen Vorurteil widersprechen, brauchen einfach nicht geglaubt zu werden – in solchen Fällen wird der Dumme sogar kritisch -, und wenn sie unausweichlich sind, können sie einfach als nichtssagende Einzelfälle beiseitegeschoben werden. Dabei ist der Dumme im Unterschied zum Bösen restlos mit sich selbst zufrieden; ja, er wird sogar gefährlich, indem er leicht gereizt zum Angriff übergeht. Daher ist dem Dummen gegenüber mehr Vorsicht geboten als gegenüber dem Bösen. Niemals werden wir mehr versuchen, den Dummen durch Gründe zu überzeugen; es ist sinnlos und gefährlich.