Nicolas Lindt

Schriftsteller & Ritualgestalter

«Ich schreibe Bücher, erzähle Geschichten und gestalte Rituale im Namen der Liebe.»

Wald, 28. Juni 2017   |   Trauung
Wald, 28.06.2017   |   Trauung

Die Trauung der Zukunft

Einfach nur
im Namen der Liebe

Warum, liebes Brautpaar, möchten Sie feierlich heiraten?

Weil wir uns lieben, werden Sie sagen. Weil wir nicht nur aus praktischen Gründen heiraten möchten, sondern aus Liebe.

Sie haben recht - um die Liebe geht es, um das Feiern der Liebe. Weil sie nicht nur ein biologisches Phänomen ist, sondern etwas viel Grösseres. Ein Geheimnis umgibt die Liebe. Sie ist eine Kraft, die Berge versetzt. Auf eine oft wunderbare, unerklärliche Weise führt sie zwei Menschen zusammen, die sich vorher meistens gar nicht gekannt haben. Sie verlieben sich ineinander und eines Tages möchten sie heiraten und für immer zusammenbleiben.

Unsere moderne, rationale Welt hat an diesem Wunsch nichts zu ändern vermocht. Obwohl heute niemand mehr heiraten muss, möchten es nach wie vor alle tun – einfach aus Liebe.

Das Wunder der Liebe kann man nicht messen. Man kann nur daran glauben. Wer aber verwaltet den Glauben? Noch immer die Kirche. Mit ihrem Aufstieg zur Macht übernahm die Kirche das Feiern der Liebe. Seit vielen hundert Jahren bis in die jüngste Gegenwart war die feierliche Trauzeremonie allein ihre Sache. Und noch heute ist die Vorstellung fest in den Köpfen der meisten Menschen verankert, dass die feierliche Trauung von einem Pfarrer durchgeführt werden muss. Jeder Hollywoodfilm, der eine Trauung zeigt, zementiert dieses Bild.

Aber ist es noch zeitgemäss? Entspricht es der Wirklichkeit?

Der Einfluss der Kirche schwindet seit vielen Jahren. Der heutige Mensch möchte unabhängig sein. Er möchte selber entscheiden, woran er glauben soll. Er benötigt dafür keine Kirche mehr. Auch nicht am Tag seiner Hochzeit. Auch nicht am Tag der Taufe seines Kindes. Die Rituale, die wir feiern, beginnen sich von der Kirche zu lösen.

Immer mehr junge Paare wünschen sich eine freiere Trauzeremonie. Manche entscheiden sich anstelle eines Pfarrers für einen freischaffenden Theologen. Andere Paare jedoch gelangen zur Einsicht, dass auch ein Theologe eine Art Pfarrer ist. Sie suchen nach einer echten Alternative - und sie kommen vielleicht zu mir. 

Warum möchte ein Brautpaar, dass ich seine Trauung gestalte? Warum möchten Eltern, dass ich ihr Kind taufe? Weil man aus meinen Worten spürt, dass mein Denken frei ist von Kirche und Theologie. Wirklich frei.

Solange sich Paare lieben, werden sie heiraten wollen, und die meisten werden es auch in Zukunft auf eine feierliche Weise tun wollen. Sie werden sich ein Eheversprechen geben und ihre Ringe tauschen und das Glück feiern, sich gefunden zu haben. Aber sie werden es ohne religiösen Beigeschmack tun, und ohne moralischen Zeigefinger.

Liebe muss freiwillig sein, sonst kann sie nicht atmen. Die Trauung der Zukunft – das hoffe ich - wird eine Trauung in Freiheit sein. Kein anderes Bekenntnis wird mehr notwendig sein als das Bekenntnis zur Liebe. Denn die Liebe gehört allen Menschen.