Nicolas Lindt

Schriftsteller & Ritualgestalter

«Ich schreibe Bücher, erzähle Geschichten und gestalte Rituale im Namen der Liebe.»

Wald, 28. April 2017   |   Über mich
Wald, 28.04.2017   |   Über mich

Meine Arbeit

Ein Schriftsteller, 
der Brautpaare traut?

Für die Medien ist es nicht einfach, mich einzuordnen. Dass ich einerseits Schriftsteller bin und andererseits eine Rolle einnehme, die früher dem Pfarrer vorbehalten war, ist ungewöhnlich. Ich selber kenne keinen anderen Belletristikautor im deutschen Sprachraum, der Rituale „im Namen der Liebe“ gestaltet. Warum stehe ich damit so allein?

Eine Erklärung dafür ist vielleicht, dass Schriftsteller - die männlichen wie die weiblichen - heute ein anderes Selbstverständnis als früher haben. 

Früher wollte der Dichter den Menschen „erbauen“. Er wollte ihn aus den Niederungen des Lebens in höhere, geistige Sphären führen. Das will der heutige Schriftsteller nicht mehr. Er sieht seine Aufgabe eher darin, die Realität abzubilden. Die einen tun es schonungslos, nüchtern und nackt, andere wählen dafür eine eher satirische, "schräge" oder ironische Form. 

Früher galt der Dichter als Künstler und Schöngeist – heute heisst er „Autor“ und ist ein sehr weltlicher Zeitgenosse. Die politische Seite des Lebens ist ihm vertrauter als die spirituell-geistige Dimension. Einfacher ausgedrückt: Der Kopf wurde wichtiger als das Herz.

Eine Trauung im Namen der Liebe gestalten – das würde ein Schriftsteller heute nicht wollen. Denn es würde bedeuten, an den Sinn der Ehe zu glauben. Ein moderner Autor jedoch sieht die Realität, und die Realität zeigt ihm, dass fast die Hälfte der Ehen wieder geschieden werden. Deshalb findet er es realistischer, über das Scheitern der Liebe zu schreiben. An ihr Gelingen glaubt er nur sehr bedingt. Überhaupt gefällt ihm der Zweifel mehr als der Glaube.

„Machen Sie auch Scheidungsrituale?“ ist oft die erste Frage, die ich zu hören bekomme. „Nein“, sage ich, "obwohl ich damit Erfolg haben könnte.“

Natürlich bin auch ich mir bewusst, dass sehr viele Paare sich irgendwann trennen. Vielleicht haben sie sogar recht. Aber ich will es nicht fördern. Ich will das Scheitern nicht zelebrieren. Meine Botschaft soll eine andere sein. Ich will an die Liebe glauben – auch wenn sie schwierig und hürdenreich ist. Und ich will daran glauben, dass die Liebe nicht aufhört. Dass sie wächst mit den Jahren und als positive Kraft auch ihre Umgebung beeinflusst.

Durch meine Trauungen möchte ich dazu beitragen, dass Liebe, wahre Liebe wieder empfunden wird als das, was sie ist: als ein Wunder und ein Geschenk, das von uns viel Sorgfalt verlangt.

Dieselbe Botschaft habe ich auch als Schriftsteller - und darin unterscheide ich mich von den meisten Autoren, die heute im Trend sind. Ich weiss, dass die Wirklichkeit hart ist. Ich weiss, dass es nicht nur Gewinner gibt, sondern Verlierer. Ich weiss, dass Hoffnungen scheitern und Illusionen sich in Luft auflösen. Und ich weiss auch, dass der Glaube ans Gute schwerfällt. Trotzdem will ich in meinen Büchern nicht wiederholen, wie schlecht die Welt ist. Es interessiert mich nicht, darüber zu schreiben, dass sich Menschen verlassen. Ich erzähle viel lieber davon, dass sie sich finden. Mit dem, was ich schreibe, möchte ich meine Leser erfreuen. Und ich möchte nicht ihren Kopf – ich möchte vor allem ihr Herz erfreuen.

Der Zweifel ist wichtig, gewiss. Er ist lebensnotwendig, und es gibt immer noch Leute, die zuwenig zweifeln. Doch der Zweifel darf nicht den Glauben zerstören. Den Glauben daran, dass das Leben recht hat. Darüber will ich schreiben, über das Leben, das genauso ein Wunder ist wie die Liebe.

Verstehen Sie mich ein wenig?